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Dienstag, 12. April 2016

Eine Wankdorf Geschichte - Teil 1

 

Die Geschichte eines anderen Matches am Rande eines Fussballmatches.

Eine Geschichte der argentinischen Diktatur, die sich im alten Wankdorf-Stadion im Jahre 1979 spielte.

Letzten 24 März vierliess Fussball-Idol Johann Cruyff diese Welt.
Johann Cruyff.
Einer der besten Figuren in der Geschichte dieser, einer meinen Leidenschaften.
Der Fussball.

Johann Cruyff, der für mich nicht nur als Fussballlegende gilt, sondern als jener holländische Nationalspieler, der sich als Protest gegen die argentinische Diktatur weigerte, an die WM-1978 in Argentinien teilzunehmen.

Die Version kursierte im politisierten Umfeld meiner Kindheit.
Das habe ich immer gerne geglaubt.
(Man will immer solche Idole für den Klassenkampf gewinnen)

Der 24 März ist auch der Jahrestag des Militärputsches im Jahre 1976.
Das war der Anfang einer blutigen Diktatur.
Die ganze Gesellschaft litt direkt oder indirekt darunter.
Ich dachte ich mir, wir könnten Johann und seine Proteste in unserer nächsten Radiosendung anlässlich dieses Jahrestages erwähnen.

Es stellte sich also die Aufgabe, diese Version vom Engagement Cruyffs zu bestätigen.
Internet lieferte mir aber keine Beweise.
Im Gegenteil.
Die argentinische Zeitung “La Nación” brachte einen Artikel, der diesen Mythos widerlegt.

Er habe angeblich an der WM-1978 in Argentinien nicht teilgenommen, weil es ihm seine Frau verboten habe, nachdem sie von einer gewissen Nacht mit nackten Ladys während der vorherigen WM-1974 in Deutschland erfuhr.

Nichts Überraschendes aus der „traditionellen“ Zeitung mit „seriöser“ Ausstrahlung, welche den Puscht vom General Pinochet 1973 in Chile als „Revolution“ bezeichnet hatte (Zeitungsartikel liegen bei mit vor)

Dafür habe ich etwas Spannenderes gefunden, das auch Holland, die argentinische Diktatur und unsere Stadt Bern tangiert.

Irgendein (anderer) Fussball-Verrückter hatte ein ganzes Spiel Argentinien-Holland aus dem Jahre 1979 auf YouTube hochgeladen.

Der Match war mir bekannt. Es handelte sich um eine Wiederholung des Finales der WM in Argentinien ein Jahr zuvor und das 75 Jubiläumsspiel der FIFA.

Ausgetragen wurde dieses Argentinien-Holland im alten Wankdorf-Stadion.
An sich etwas total unbedeutendes. Ausser, dass auf dem Platz des Berner historischen YB-Stadion ein junger noch nicht sehr bekannter Spieler unter den Elf des argentinischer Kader stand, der sich später als bester Fussballer aller Zeiten erweisen würde.
Sein Name: Diego Armando Maradona.

Aber die Geschichte, die ich erzählen wollte ist eine andere.
Was der YouTube-User wahrscheinlich nicht wusste, er hat eine alte, vergessene und bis jetzt nicht bestätigte Legende aufgedeckt.

Die Geschichte erzählt von gewissen politischen Flüchtlingen aus Argentinien, Chile und Uruguay sowie von manchen Schweizer-AktivistInnen, welche die Live-Fernseher-Übertragung des Spiels nützen würden, um Argentinien und die Welt auf die Gräueltaten der Diktatur aufmerksam zu machen.
Vor allem in Argentinien, wo Zensur mit Blei und Elektroshock-Folterung umgesetzt wurde. Der Legende nach, soll die Aktion auf Verlangen der argentinischen Behörden von den Sicherheitskräften vom Stadion brutal unterdrückt und in einer Massenschlacht mit den „politisierten“ Fussballfans beendet worden sein.

Ich hatte diese Geschichte vor Jahren an irgendeinem Stammtisch unter chilenischen Flüchtlingen gehört.
Damals war so was wie YouTube nur eine Zukunftsvision.
Recherchen durch Zeitungen aus jenen Tagen in der Nationalbibliothek lieferten nur Berichten von einem langweiligen Fussballmatchs.

Etwa 12 Jahre später, als ich nach dem politischen Engagement von Johann Cruyff googeln wollte, taucht vor meinen Augen dieser komplette Match in Schwarz-Weiss auf mit französischen Kommentaren.
Damit auch die Möglichkeit, dieses Mythos von Bern zu bestätigen.

Ich bereite also meine Mate-Thermoskanne vor und nehme mir die Zeit, den angeblich langweiligen Match anzuschauen (es soll keine Tore mit Penalty-Definitionen geben)

Es dauerte aber nicht allzu lange.
Mit dem ersten Angriff Argentiniens ist alles eindeutig zu sehen. Gross genug da! Für die ganze Welt! Jeder der Zuschauer hält ein Buchstabe.
Zusammen bilden sie den Satz „VIDELA ASESINO“ (Videla Mörder) – Unübersehbar!


 Und immer wieder im Verlauf des Spiels.
Mit jedem Angriff Argentiniens.
„VIDELA ASESINO“

Mit der Zeit hat man den Eindruck, nicht jedes der Buchstaben stehe noch da.
Es sind tatsächlich jedes Mal ein Paar weniger.
Plötzlich taucht der ganze Satz wieder da.
Und dann verschwindet wieder etwa die Hälfte.

Ist das vielleicht wegen der angeblichen Schlacht zwischen den Sicherheitskräften und den Fussballfans?

Der Mythos wurde mindestens zur Hälfte bestätigt. Eine Handvoll Leute, welche in ihrer Herkunftsländer Folterung, Gefangenschaft erlebt hatten, überwinden Angst und Tod und machen sich erneu auf den Kampf für jene Welt, die sie als berechtigt halten.

Wer könnte und nun von jenem Abend im Wankdorf erzählen?

Der zweite Teil folgt bald..