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Donnerstag, 15. Januar 2015

Volver - Crónica Tanguera einer Woche in Buenos Aires

Mi Buenos Aires querido, ich kann dich endlich wiedersehen.
Deine heissen Sommernächte geniessen.
Dich wieder riechen.
Und deinen Tango, nach dem du überall riechst.
Weil du überall bist.
Egal, was ich mache.
 
Die Sendung vom Freitag 16.01.2014 besteht aus einigen Tango-Eindrücken. Aus ungewollten Tango-Begegnungen innerhalb einer Dezemberwoche.
 
Si vos en Buenos Aires no vas al Tango, no hay problema. Él viene a vos.
Te guiña el ojo desde cualquier rincón, cualquier esquina de cualquier barrio.
 
14.12 Domingo a la noche
Diese Woche beginnt am Sonntag 14 in der Bar “La Academia” eines der ältesten Cafés von Buenos Aires. “La Academia” ist 24 Stunden durchgehend geöffnet und dort wird Tango geatmet. 
Aber wo Tango geatmet wird, wird auch Fussball geatmet.
Und an dem Abend findet der letzte Spieltag der ersten Liga statt.
Alles ist offen. Die besten Chancen haben River Plate und Racing Club von Avellaneda, bekannt als “La Academia”. Das Café mit diesem Namen ist voll von Racing-Fans. Sie leiden. 


Locos por Racing mirando la definición del torneo en "La Academia"

Auf der anderen Seite des Atlantiks ist etwa 3 Uhr morgens. Als grosser Fan von Racing leidet in Bern unser Calculista Ángel mit und schickt mit ständig SMS mit Kommentaren zum Spiel.
 
Me puedo imaginar el corazón de Ángel cuando a minutos del final a Racing le anulan un gol. 
Seguro que fue igual que a los hinchas que sufrían en "La Academia"
 

Racing wurde nach langer Zeit wieder argentinischer Meister. Meine letzte SMS an Ángel: Es gab keinen Tango zu Racing. Seine Antwort: Racing Club, von Vicente Greco.
Aber die Fans singen einen anderen Song. Das bekannteste Lied der Racing-Fans mit einer sehr bekannten Melodie: "Die Marcha Peronista", dem Marsch von Juan Domingo Perón. Auch ein hincha de Racing. Die Marcha Peronista wurde von Hugo del Carril aufgenommen. Eine der schönsten Tangostimmen. Pero en el siguiente audio, los hinchas de Racing. 
 
Racing Campeón

16.12 El Banderín
Montag Ruhetag. Und am Dienstag wieder unterwegs.
Ohne Plan. Einfach auf die Strasse gehen und die warme Nacht nach einem höllisch heissen Tag geniessen. Für Programm sorgt der Tango. Er lässt nicht auf sich warten und lässt sich spontan wenige Strassen von der U-Bahn-Station “Carlos Gardel” finden. Die Bar “El Banderín” liegt an der Kreuzung der Strassen “Guardia Vieja” (wieder Tango) und Billinghurst im Quartier Almagro. Die Geschichte dieser Bar ist zu lange und zu lebendig, um sie in ein Paar Linien zu erzählen. Die Bar ist mit hunderten von “Fähnlis” von Fussballvereinen aus der ganzen Welt geschmückt. Die Atmosphäre könnte Enrique Santos Discépolo als Inspiration für seinen Tango “Cafetín de Buenos Aires” gedient haben.

Noche de Tango en "El Banderín"

An dem Abend feiert “El Banderín” ich weiss nicht wie viele Jahre seines Bestehens. Die Strasse ist gesperrt und es gibt Tango-Konzerte. In dem Moment singt Alicia González. Die Leute sitzen auf der Strasse. Die Hunde der Nachbarschaft bellen, Autos, Bondis (Busse) fahren vorbei oder alguien te pregunta por un papel para armarse un churro. Das stört weder das Publikum noch die Künstler. Alles klingt nach Buenos Aires. Nach Tango. 


Alicia González en El Banderín

18.12 Donnerstag de Fierro
Mit der Orquesta Típica Fernández Fierro habe ich, ehrlich gesagt, immer eine gewisse Mühe gehabt. Die Musiker treten auf der Bühne auf, als wären sie Sepultura oder Metallica :-P.

Der damalige Sänger sogar mit einem Helm auf dem Kopf (vielleicht als Schutz vor Gegenständen, die auf die Bühne fliegen?). Das alles fand ich immer seltsam. Aus diesem Grund verzichtete ich auf ihr Konzert in der Mühle Hunziken im 2009 (Jazmín berichtete hier).

Aber einiges hat das Orchester richtig gemacht. Mit Osvaldo Pugliese als Vorbild sind die 12 Musiker_innen als Genossenschaft organisiert. Sie sind zudem alle Kinder des Sozial- und Wirtschaftsdebakels von 2001 und bereicherten den Tango mit viel Protest und Aktivismus. Zudem hat das Orchester eine neue Sängerin, sagte mir jemand (das ist wohl das Hauptargument für Martín ;-), Anmerkung von Jazmín). Sie sieht aus wie Patti Smith, trägt aber keinen Helm und hat sich einen Namen im Tango-Untergrund gemacht. Also springe ich über meinen Schatten und gehe das Orchester in ihr eigenes Lokal (CAFF- Club Atlético Fernández Fierro) hören. Der Ort ist schön. Auch autonom und selbsttragend organisiert. 

 
La Fernández Fierro en el escenario

Der Eintritt: “Kauf uns bitte eine CD”. Gute Idee. Der Auftritt ist beeindruckend. Musikalisch tönen sie sehr gut. Ein bisschen viel Pugliese. Die Bewegung mancher Bandoneonisten wie Heavy Metal Stars nach wie vor irritierend. Die frischen Eigenkompositionen verkörpern aber das Leben in der Stadt in der heutigen Zeit.

Samstag 20.12 Astillero en Zona Tango – para alucinar
Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie ich das erfahren habe. Astillero Tango spielt heute Nacht!
Astillero ist eines jener Orchester, die in deinem Leben auftauchen, wenn du gerade denkst, es sei im Tango kaum etwas Neues oder Interessantes zu erfahren. Zum Glück gibt es in Buenos Aires eine Generation von Musikern, die Rahmen sprengen und Grenzen überqueren, Neues probieren. Astillero gehört dazu. Die Eigenkompositionen enthalten zudem atemberaubende Passagen.


Astillero en Zona Tango

Das Konzert findet in einem mir unbekannten Lokal “Zona Tango” statt. Ein Lokal im Herzen vom alten Quartier Monserrat (der San Cristobal). Als Erinnerung an dieses Quartier...als ich mit der Murga (Fasnachtsgruppe) von diesem Quartier (Los Verdes de Monserrat) aufgetreten bin (vor fast 20 Jahren), habe ich Strassen voller Travestiten und Prostituierten erlebt. Diese fallen mir dieses Mal nicht auf. Auch nicht das Haus an der Adresse, wo “Zona Tango” stehen soll. Einfach ein Wohnhaus? Also klingle ich und gehe rein, als wäre es eine Wohnung. Das ist es tatsächlich. Aber wie schön sie ist. Und voll. Es hat fast keine Möbel, damit die Leute tanzen können. Die Leute tanzen aber jedes 10te Stück und ansonsten plaudern sie miteinander. Was für eine schöne Milonga, wo es nicht hauptsächlich ums Tanzen geht. Es geht auch nicht um guten Boden oder Schuhe, da es eine normale Wohnung ist. Und an der Wand hängt ein Transparent mit dem wunderschönen Satz: “El Tango será popular o no sera nada” (der Tango wird populär oder nichts sein) http://www.eltangoserapopular.com.ar/


El Patio de Zona Tango

Astillero soll ca. 1 Uhr beginnen.
Also um 2.
Mein Papa, der Piazzollero von Buenos Aires wäre mitgekommen. Aber es ist zu spät für ihn und ich gehe alleine. Die Zeit wird in dieser angenehmen Athmosphäre schnell vergehen. Tatsächlich. Und dann beginnen die Musiker, in einem der Zimmer der Wohnung zu spielen. Es ist unterdessen 5 Uhr. Das Konzert ist schon lange fertig. Aber die Musiker greifen immer wieder zu den Instrumenten und spielen irgendetwas für die wenigen, die noch bleiben und auf das Tageslicht zu. Sie schlafen nicht. Der Tango in Buenos Aires auch nicht.



Astillero Tango

Sonntag 21.12 Chau Horacio
Es ist schon hell in der Stadt am Sonntag dem 21.12. Ich überquere die Stadt und laufe der Avenida Jujuy entlang bis die Strasse zu Pueyrredón wird. An Plaza Once und Corrientes vorbei bis Córdoba und dann Córdoba entlang, bis ich totmüde entscheide, in den Bus 106 Richtung Floresta einzusteigen. Die Bushaltestelle liegt gerade vor den Türen der Güemes-Klinik, in der der Tangodichter Horacio Ferrer seine letzten Stunden verbringt. Das wusste ich nicht. Am Abend erfahre ich, dass er uns für immer
verlassen hat.

 
Horacio Ferrer junto a Astor Piazzolla